Der Brulli

Updates zum Brulli gibts im Blog.

 

Ein etwas größeres Projekt ist unser Bulli. Letztes Jahr wurde der Bus aus Chile importiert, und nachdem er einen Winter hier in Deutschland in der Scheune verbracht hat, ist es in unsere Hände gefallen. So einen Brasilienbus, von Kennern liebevoll „Brulli“ gennant, ist genau das, was wir wollten. T2 Front, und daher noch einigermaßen Bezahlbar (für den T1 werden nur noch Mondpreise abgerufen) und T1 Heck. Das, was uns am T1 so gefällt, die Eckfenster hinten und die Flügeltüren statt Schiebetür an der Seite, hat der Brulli aber auch.

Ich sehe schon ziemlich eindeutig, dass da einiges auf uns zu kommen wird. Dabei geht es garnicht so sehr um die handwerkliche Arbeit, die mir Sorgen macht, sondern um die Bürokratie so einen Import in Deutschland zuzulassen.

Innen ist allerdings garnichts, wirklich garnichts, gemacht. Nach meiner Recherche liefen die Busse damals allerdings in Brasilien so vom Band: Keine Türverkleidungen hinten, kein Himmel. Also fehlt garnicht mal so viel.

Die Sitzbänke hinten sind auch hinüber, aber das ist halb so wild.

Unseren Brulli möchten wir zum Camper umbauen, daher kommen die ohnehin raus.

Der Motorumbau

Mittlerweile steht fest, was am Brulli getan werden muss, damit er eine Zulassung bekommen kann. Dabei ist das größe Hindernis die Abgasnorm. Mit Baujahr 1992 muss der Bus die Euro 1 Norm erfüllen, was mit dem originalen Motor ohne Kat natürlich nicht drin ist. Danach gibt es dann eine Abgasmessung und eine Einstufung in (hoffentlich) Euro 1.

Also muss ein Motor mit geregeltem Kat her. Dabei kommen zwei Varianten in Frage:

1. Der HJS Nachrüstkatalysator. Dies ist ein Nachrüstpaket für den Käfer, welches irgendwann in den 90ern Produztiert wurde. Damals um Steuern zu sparen, ist das Paket mit der Zeit in Vergessenheit geraten, vor dem Hintergrund der Debatte um die Umweltplaketten erfreut sich das Paket aber wieder großer Beliebtheit, denn man kann damit für seinen ollen Käfer die grüne Plakette kriegen. Dabei würde der ursprüngliche Motor erhalten bleiben, allerdings sind die Pakete nur schwer zu bekommen, geschweige denn vollständig.

2. Der Motor vom 1600i Mexikokäfer mit Motorcode ACD. Der in Mexiko bis 2003 produzierte Käfer hat in den 90er Jahren diverse Updates bekommen, um ihn weiterhin auf die Straße bringen zu können. Irgendwann hat man sich entscheiden eine Einspritzung einzubauen mit samt G-Kat. Die Motoren sind relativ einfach zu bekommen, für einen einigermaßen einfachen Einbau brauch man allerdings auch den Kabelbaum.

Wir haben uns für die zweite Option entschieden. Auch wenn ein komplett neuer Motor teurer ist, war uns doch ein kompletter Motor lieber, als so eine Bastelei mit dem HJS Kat, die vielleicht am Ende doch nicht funktioniert. Das gute ist, dass der ACD-Motor ohne größere Probleme auf das Getriebe des Brullis passt, weil diesem schon ein 1600er Motor verbaut ist.

Allerdings gibt es auch beim neuen Motor einiges Zutun:

  • Alter Motor raus. Das gestaltet sich doch einfacher als gedacht. Wir waren innerhalb von 2 Stunden fertig, und die meiste Zeit ging für das suchen von Schrauben drauf. Alle Kabel und Schläuche vom Motor abbauen, ist ja nicht viel, dann Stoßstange abbauen, ein Blech vor dem Motor abbauen, vier Schrauben, die den Motor an der Getriebeglocke halten, lösen, Motor von der Eingangswelle vom Getriebe heben und das wars. Diese Anleitung für den Käfer ist sehr hilfreich, wobei man das Aufbocken natürlich weglassen kann: http://www.1600i.de/1600i-mechanik/motor-raus/motor-raus.html
  • Die Kraftstoffversorgung muss umgebaut werden. Der ursprüngliche Motor vom Bus wird mit einem kleinen 6mm Benzinschlauch versorgt. Weil der Tank ein bisschen höher ist als der Motor, braucht man nichtmal eine Pumpe. Der ACD-Motor braucht aber eine Pumpe, schon um den Einspritzdruck (3 Bar) zu schaffen. Zusätzlich braucht der Motor eine größere Kraftstoffzuleitung mit 8mm Durchmesser. Insgesamt sieht das System dann so aus, dass man eine Zuleitung vom Tank zur Pumpe und einen Rücklauf von der Pumpe zum Tank hat. Von der Pumpe zum Motor gibt es genauso einen Zulauf und vom Motor zurück zur Pumpe ebenso. Vor und Zurück zwischen Pumpe und Tank also und Vor und Zurück zwischen Pumpe und Motor. Den 8mm Zulauf vom Tank zur Pumpe haben wir so geschaffen, dass wir den Tank ausgebaut, eine Woche lang gelüftet, dann mit Wasser geflutet (Wir wollten wirklich sicher gehen, das Teil nicht in die Luft zu jagen. :D) und dann neben dem schon vorhanden Ablauf angebohrt haben. Dort haben wir mit Silberlot ein weiteres größeres Röhrchen für 8mm Benzinschlauch eingelötet. Stahl habe ich zuvor noch nie gelötet, aber das gestaltet sich doch einfacher als man denkt. Warm machen, Silberlot welches mit Flussmittel ummaltelt ist, (Sieht aus wie die Elektrode vom E-Schweißen) dran halten und schmelzen, beim Aushärten nicht bewegen, fertig. Von da an ist das ganze ein Kinderspiel. Die restlichen Leitungen haben wir alle als normale Gummileitung ausgeführt, da wir nichts zum Biegen und Bauen von Rohren haben.
  • Ein Halterung für die neue Bezinpumpe muss her. Die besteht eigentlich nur als drei abgewinkelten Blechstreifen. Die haben wir zwischen linkem Rücklicht und Radkasten, dort wo auf der anderen Seite die Batterie ist, eingeschweißt.
  • Die komplette Motorelektrik muss umgebaut werden. Zuerst braucht das Steuergerät eine Halterung. Diese haben wir auf den linken Radkasten, über der Benzinpumpe eingeschweißt. Zusätzlich kommt ein Sicherungskasten für die Motorelektrik hinzu, welchen wir über der Batterie platziert haben, und eine Halterung für zwei neue Relais, ebenfalls über der Batterie. Dann
  • Dann geht der Spaß los: Da wir einen Kabelbaum vom 1600i Käfer haben, war die Neuverdrahtung nicht ganz so viel Arbeit. Alle Kabel zwischen Motor und Steuergerät sind ja schon vorhaden. Die freien Enden gehen meistens zu den zwei Relais, von denen eins das Steuergerät einschaltet und das andere die Benzinpumpe, die mussten mit den Kontakten der Relais verbunden werden. Dann braucht das Steuergerät noch am Kontakt 1 die 12V vom Klemme 50 beim Anlasser, damit es weiss, wann der Motor gestartet wird und das Relais 30 braucht an Pin 86 die 12V von der Klemme 15, also die Spannung, die da ist, wenn die Zündung an ist. Dann bleiben im Kabelbaum noch ein blaues und ein grün-rotes Kabel übrig. Das Blaue ist die Warnlampe der Batterie und geht nach vorne in Armaturenbrett, ein blaues Kabel nach Vorn war schon vorhanden, und das Andere ist die Öldruckwarnung. Die geht genauso nach Vorne, Kabel habe ich aber noch nicht gefunden. Darum kümmern wir uns, wenn wir die Armaturen vorn umbauen.
  • Jetzt noch das alte Kabel zwischen Anlasser und Lichtmaschine vom Anlasser abklemmen und dafür das neue Kabel von der Lichtmaschine an den Anlasser anschließen.
  • Übrig bleiben drei Kabel für die Rückfahrscheinwerfer und ein Stecker, der an den Kontakt für den Rückwärtsgang am Getriebe kommt. Die haben wir erstmal totgelegt. Um sie zu nutzen müssten wir den Stecker für den Kontakt am Getriebe umbauen,  da man da aber so schlecht rankommt, nutzen wird lieber die schon vorhandene Elektrik. Funktioniert ja.
  • Jetzt noch den neuen Sicherungskasten verdrahten. Von der Batterie ein Kabel an eine 20A Eingangssicherung. Sicherheitshalber. Und nach der 20A Sicherung dann Brücken an die einzelnen Sicherungen. Wir benötigen nur drei. Und von zwei Sicherungen dann jeweils ein Kabel zu den Relais, und eins zum Diagnosestecker fertig. Für die Sicherungenn wir keine Infos gefunden, wie groß diese Auszulegen sind. Beim Steuergerät ist erstmal eine 5A Sicherung (Vermutlich viel zu groß) und bei der Benzinpumpe eine mit 15A drin. Beim Diagnosestecker ist auch eine 5A Sicherung drin.
  • Der ganze Elektrikkram klingt sehr kompliziert, ist aber einfacher als man denkt. Mit einem guten Schaltplan und Multimeter und ein bisschen Köpfchen geht das schon.  Einen übersichtlichen Schaltplan findet man hier: http://www.1600i.de/1600i-elektronik/uebersicht/1600i-schema-neu.jpg. Die Seite hat auch die originalen Schaltpläne vom 1600i Käfer.
  • Die Bleche links und rechts am Motor passen nicht, die sind beim Bus gerade und beim Mexikokäfer rund. Einfach abflexen und umdengeln.
  • Den Motor wieder einbauen. Das geht fast genauso einfach wie raus, nur dass man jetzt die Getriebewelle treffen muss. Nach der Anleitung oben geht es aber ganz gut. Dann fädelt man auch zuerst den Gasbautenzug ein, und danach schiebt man den Motor nach vorne und verhindert so, dass man den Motor zweimal einbaut, so wie wir… 🙂
  • Der Luftfilterkasten vom neuen Motor passt nicht, da über dem Motor kein Platz mehr ist. Daher muss ein bisschen Schlauchwerk eingebaut werden, um diesen daneben zu hängen und mit dem Drosselklappengehäuse zu verbinden.
  • Das Heckblech muss etwas verändert werden, damit der Kat dahinter passt.

Leider habe ich von der ganzen Umbauerei keine Fotos, da mein Handy kaputt gegangen ist, und ich kein Backup der Fotos habe.

Ein Problem gibt es allerdings noch. Der alte Motor war oben Rechts mit der Schraube auf dem Bild  mit der Getriebeglocke verschraubt. Diese steckt man vom Getriebe aus durch die Glocke und durch das Loch am Motor, und vom Motor aus wird eine Mutter draufgeschraubt. Da die Mutter hinter dem Gebläsekasten echt sch… zu erreichen ist, hat man sich wohl gedacht, dass es sinnvoller ist, in das Loch am Motor ein Gewinde zu schneiden, und die Schraube vom Getriebe aus festzudrehen. So hat man es beim alten Motor auch Links oben gemacht und beim neuen Motor rechts und links oben. Der Kopf der alten Schraube ist wie auf dem Bild zu sehen an einer Seite abgeschrägt. Das ist, damit die Schraube vom Anlassergehäuse „festgehalten“ wird, und sich nicht mitdreht. Genau das verhindert nun aber, dass eine normale M10er Schraube mit 17er Kopf dort hineinpasst, da die am Anlassergehäuse viel zu früh anlschägt und sich dann ja auch nichtmehr eindrehen liesse. Hier müssen wir und noch was überlegen. Wenn es garnicht anders geht, müssten wir das Gewinde am Motor ausbohren, aber das wollten wir doch eher ungern machen.

Edit: Habe eine dicke Unterlegscheibe so abgesaegt, wie der Kopf der Schraube ist, und dann eine Imbusschraube genommen.

Und so sieht er nun eingebaut aus, ohne Heckblech und Stoßstange und Luftfilter:

Hier nochmal das eingebaute Steuergerät und die Halterung für die Benzinpumpe unten.

 

3 Gedanken zu „Der Brulli

  1. Tolles Programm 👍👏bin überzeugt davon das wird ein schöner Bulli 🚗
    Bitte originale Schraube nehmen nicht Gewinde ausbohren 🧐

    1. Die original Schraube geht ja nicht. Beim originalen Motor ist da eine Motor von den anderen Seite drauf, beim Mexikomotor ist ein Gewinde eingeschnitten. Aber ist egal, jetzt ist da eine Imbusschraube drin.

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